die welt macht das schon für dich

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was geht, was los, wie isses, ich befinde mich in einem stadium der sprachlichen degeneration. böse zungen würden jetzt behaupten, das sei schon länger der fall, aber die können sich von mir aus auch zum teufel des schwarzen puders scheren.

… ach! es gäbe doch so viel zu erzählen. so viele kleine geschichten eingeflochten in die grosse. was aber, wenn der erzähler keine lust hat, sich immer am offensichtlichen abzuarbeiten? was, wenn der erzähler viel mehr lust hat, irgendeinen schwachsinn zu erzählen?

das mit der degeneration ist übrigens ernst gemeint, aber sie betrifft weniger den sprachlichen bereich, der macht eh was er will, als den der motivation zu sozialer interaktion. mir reichts ein bisschen hier, so wie ich das gemacht habe, die letzten 6 monate. immer da und dort hinrennen, dieser verpflichtung nachkommen (oder diesem helferkomplex-gefühl?), jenes organisieren, dieses planen und dabei immerzu gebunden sein an termine, termine, termine. ne.

ab jetzt! ab jetzt wird alles anders! ganz bestimmt. so sehr nach freiheit habe ich mich gesehnt, das ist noch gar nicht lange her, ungefähr vor einem jahr. zur zeit, da ich beschloss nach togo ‚auszubrechen‘. aber natürlich bin ich nirgendwohin ausgebrochen, allerhöchstens eingebrochen, nach 20 wochen neuanfangs-boost, was zugegebenermassen, gar nicht mal so schlecht ist.

aber wissen sie, wenn ich degeneration sage, dann meine ich das überhaupt nicht negativ. natürlich leide ich dann so ein bisschen vor mich hin, ärgere mich über mich selbst, weiss nicht wohin die leere gehen und die energie kommen soll, rutsche ab, tief in die spalte meiner durchgelegenen matratze, nehme anstoss an jedem gegenstand, jedem geräusch, finde es ätzend meine lieblingslieder auf gitarre zu spielen und die zigarette schmeckt auch nur noch nach magenkrebs mit 35.

und doch zelebriere ich es. denn nach einigen tagen erinnere ich mich, dass alles vorbei geht und es setzt diese so wertvolle stimme ein, die einem der freund ist, den man gerade so dringend braucht, und sie sagt mir zwei dinge: erstens, nimm dich nichts so ernst junge und zweitens, die welt macht das schon für dich.

diese fertigkeit – des sich nicht mehr in die psychose krampfens – habe ich irgendwie erlernt und ich kann nur sagen: top, 10/10. der nachteil ist nur, dass ich neuerdings anscheinend in die life-coach richtung abdrifte, wenn ich mir diese absätze so anschaue, wobei böse zunge behaupten … lassen wir das.

wir gehör’n der welt doch sowieso, sagt der ebenfalls auf diese unerträglich positive art erwachsen gewordene tua auf seinem neuen album. hania rani sagt nichts, aber macht einen fluss aus meinem herz. sous l’orage heisst der titel des romans, den ich gerade lese, während ich die ganze welt im stich lasse und der himmel immer schwerer, die luft immer schwüler wird bis es platzt, grollt und donnert – und dann prasselt – so herrlich erleichternd, dass in einem etwas zu lachen beginnt, glucksend, als liefe man selbst voll, mit riesen schlücken.

meistens gibt’s gar nicht viel zu sagen oder zu berichten, im grunde bleibt es überall gleich, egal wie fremd man ist ein paar tausend kilometer weiter auf der blauen murmel. jetzt, könnte man sagen, bin ich angekommen. und das dort ist zum hier geworden.

und hier ist es nach wie vor einsam.

(beitragsbild aus dem film martin eden von pietro marcello)

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