mais mais mais mais mais, gelb glänzend in den fingern, mit denen wir die einzelnen körner von den kolben grabbeln. meine fingerspitzen brennen und werden rot, bluten ein wenig, aber da ist noch so ein riesiger haufen… und wenn pápá das ganz allein macht, kommt der ja zu nichts anderem mehr. erst rauht er dir mit seiner schale die haut auf, der mais,und dann drückt er dir mit seinen hartplastik-körnern richtig schön in die wunden rein. und am ende siehst du aus, als wärst du systematisch gefoltert worden. und rieseln tut er… er rieselt und rieselt wenn du ihn gestapelt hast, die kolben kullern übereinander her, die körner rieseln von kleinen in grosse säcke. und dann gibt es auch noch den frischen mais, den du noch richtig riechen kannst und wenn du ihn von seiner dockstation an dem stiel reisst, kommt dir der wunderbare duft des zuckerwassers entgegen, mit denen die pflanze seine frucht füttert, wie ein baby mit nuckelflasche und an dem baby selbst hängen dann wieder eintausend kleine körner, die diesen wunderlichen zyklus von vorne starten können, wenn man sie einfach nur in eine kaum merkliche vertiefung in der erde rieseln lässt und anschliessend sanft zudeckt, mit einer halben handvoll derselben. so ein wahnsinn, wirklich.

ich weiss übrigens gar nicht, wie oft ich jetzt schon auf dem feld war – ich könnte es rekonstruieren mit einem heft und handynotizen, oder auch nur etwas überlegung, aber ich schreibe jetzt und überlege nicht – aber es dürften (jetzt überlege ich doch) bestimmt sechs oder sieben mal gewesen sein. die anfahrt ist immer eine kleine grenzerfahrung, und das leben dort – für mich – auch immernoch. es gibt ja nach wie vor keinen strom und kein fliessend wasser, ausser zio, den fluss, der freundlicherweise an unserem feld vorbeifliesst auf seinem weg in den togosee, einer lagune zwanzig kilometer nördlich von lomé. und zio ist gerade sehr reissend, denn er wird schon seit wochen jeden tag gegossen, man kann ihm beim anschwellen zusehen und beobachten, wie er mit jedem tag weiter das ufer hinaufklettert und seinen strom noch ein bisschen drängender durch das becken drückt. hellbraun-schlammig ist er jetzt und wenn es im natürlichen bassin ein paar meter weiter wirklich krokodile geben sollte – wie es unsere nachbarn behaupten – dann könnten sie sich mittlerweile bestimmt mit leichtigkeit zu unserer badestelle transferieren. wobei ich nicht weiss, wie krokodile zu starken strömungen stehen. doch baden gehen wir sowieso nicht mehr in dieser brühe– viel zu gefährlich. vor allem für jugendliche, die nicht schwimmen können.
wir sind nämlich zu fünft dieses mal. neben pápá, der ja für uns dort die stellung hält und mittlerweile seit bald fünf monaten lebt in diesem 4×4 meter verschlag, den wir im februar dort an zwei tagen nur mit hilfe selbstgehackter hölzer, palmblättern und einiger meter draht zusammenwickelten – in der zwischenzeit sind wände aus den zusammengefügten stielen der palmblätter hinzugekommen und eine tür mit einer angel aus bambus – neben pápá, donald und mir also, sind noch bazile und kaleb mitgekommen, 12 und 16 jahre alt und wohnhaft im centre, dem waisenhaus gegenüber, dem auch wir freiwilligen irgendwie angehören, da es das hauptprojekt von IVA (internationale volontaire en action) ist, unserer aufnahmeorganisation in togo, zu der uns das deutsche rote kreuz vergangenen september geschickt hat. bazile und kaleb sind ebenfalls kleine gärtner, wie donald und ich, und haben mir immer mal wieder mit den beeten vor dem haus geholfen und dadurch interesse am gemüseanbau entwickelt. in meiner zeit in deutschland, von mitte mai bis ende juni, hat bazile sich ganz alleine um den garten gekümmert, jeden tag gegossen wenn es nicht geregnet hat, die salat-setzlinge verteilt, die erde umgegraben und sich um den zaun gekümmert und die hühner vertrieben, mit steinen oder manchmal fängt er sie auch und wirft sie zur tür heraus, der kleine brutalo. und kaleb, den ich die hühner regelmässig im hof rupfen sehe, erzählt abends am feuer die klassische geschichte der geköpften henne, die noch ein paar meter geradeaus schlingert und dann, noch immer zuckend, auf dem boden zu liegen kommt. brutalität gegen hennen soll jetzt aber nicht das bestimmende thema dieser geschichte werden. tierschutz relativiert sich jedenfalls, sobald es um nahrungsknappheit geht und über empathielosigkeit gegenüber hennen kann sich nur jemand aufregen, der nicht auf ihren wert als nutztier angewiesen ist.
bazile und kaleb, die durchaus noch andere qualitäten als kaltblütigkeit gegenüber hennen aufweisen, lagen mir also seit wochen in den ohren – endlich wollen sie mich einmal aufs land begleiten. na gut, ich frage maman. aber nur für eine nacht okay? ich konnte nicht einschätzen, wie es den jungs dort gefallen würde – geschweige denn ahnen, dass sie mich bereits am ankunftstag anbetteln würden, zuhause eine verlängerung um zwei tage zu erwirken, sodass wir schliesslich von samstag bis dienstag ein abenteuer-wochenende zusammen verbrachten. die beiden waren richtig motiviert und halfen fleissig bei der ernte und der verarbeitung des mais. sie gingen mit donald spazieren bis zur nächsten boutique – eine stunde fussweg – und brachten ein wenig sangria für uns und limonade für sie mit, die wir dann am feuer tranken, wo bazile allerdings nach zehn minuten mit dem kopf in meinem schoss einschlief – haha. der hatte sich was abgerackert.

ich hatte mir schon ein wenig sorgen gemacht, denn wie schon gesagt: der weg zur ferme, der insgesamt etwas über eine stunde dauert, ist nicht einfach. er ist steinig und schwer, könnte man sagen. dazu noch nass, schlammig und glibschig in der regensaison. man kriecht dann so schlüpfrig durch diese schlacke hindurch und zuckt hin und wieder nach links oder rechts weg, wenn das hinterrad zwei zentimeter zur seite wegrutscht. und wenn man dann auch noch zu dritt auf dem moto sitzt und bis zur grenzenlosigkeit und noch weiter bepackt ist mit rucksäcken, taschen und und einem sack wassersäckchen, der sich langsam aber sicher auflöst und alle paar meter ladung verliert, die dann am boden zerplatzt wie kleine wasserbomben, dann bekommt man dieses gefühl, das donald finde ich am besten beschreibt mit dem satz: du weisst doch joram, in togo, wenn es nicht geht, dann geht es doch irgendwie. man hängt dann einfach drinnen und klammert so viel an sich wie möglich und wenn irgendwas reisst, dann knotest du es neu zusammen und steigst wieder auf. ein paar mal ist es so rutschig, dass wir absteigen und laufen müssen, aber schliesslich sehen wir das ziel vor uns: die hütten unseres nachbarn kudjo und seiner familie. nach einer kurzen begrüssungspause geht es weiter mit der nächsten unmöglichkeit: der locker 70 kilo schwere sack dünger muss von kudjo zu uns getragen werden, da wir mit dem moto nicht auf das feld fahren können. wir hieven uns den sack also auf die köpfe und als ich nach der hälfte das gefühl habe, dass meine gehirnmasse sich verformt und sage, dass ich nicht mehr kann, trägt donald das teil einfach alleine weiter – zügig gehend, auf dem rücken. danach schwitzt er ziemlich und hat rückenschmerzen, aber danach ist es nun einmal doch wieder gegangen, als es eigentlich nicht ging.

der einstieg in das landleben ist also direkt wieder gebührend und nachdem wir nun endlich angekommen sind, gibt es erstmal unseren eigenen, schönen und frischen gekochten mais zu mittag. die jungs – kaleb ist schon davor angekommen, bazile und mich hat donald in notse monu (=weg nach notse; kleine siedlung an der abzweigung nach notse) abgeholt, wohin wir mit dem auto gekommen sind – hören gar nicht mehr auf den mais zu essen und pápá muss lachen und sagt zu bazile du magst mais, hm? ja, sagt er, früher nicht so aber jetzt schon. nach diesem wochenende wirst du ihn jedenfalls nicht mehr mögen, sage ich. da muss er schmunzeln. und dann beginnt das grosse ernten.

abends gibt es pâte ademe detsi (maisgriess mit sauce aus ademe-blattgemüse, welches überall wächst auf unserem feld und kleinem geräucherten fisch). es gibt zwei grosse schüsseln, einer mit dem pâte und einer mit der sauce und wir greifen richtig schön rein in das griesige wabbeldings und tunken den in den händen geformten klumpen in die dunkelgrüne glibsch-sauce. es beginnt zu regnen, wir verlagern die party nach drinnen und liegen oder sitzen nach dem essen in der hütte verteilt auf matten, dem hocker oder der schönen bank, die mein mitfreiwilliger lasse mal gebaut hat als er da war und ruhen uns etwas aus. relativ früh geht man dann auch schlafen, wenn es finster ist um einen herum und man müde ist von der arbeit.
für den nächsten tag habe ich eine überraschung geplant für die jungens, die dürfen jetzt nämlich jeder ein schild designen mit farbe und pinsel. ein projekt, welches rasch ausgreift auf die gesamte front der hütte und nun sieht die ferme aus wie ein anthroposophischer waldkindergarten. mir soll’s recht sein und pápá schien es auch zu gefallen – er liess sich sogar von bazile ablichten vor seinem neu gestalteten zuhause.





nach und nach fummeln wir die körner aus den kolben, während einige bereits in der sonne beginnen zu trocknen und immer wenn es anfängt zu regnen, muss man schnell irgendwie alles zudecken. hejo, spann den wagen an, hör ich dann in meinem kopf, wenn eine brise meinen rücken streichelt, die wolken sich vor die sonne schieben und die gold’nen gaben noch kontrastreicher hervortreten vor dem grau des himmels. um die moral zu heben, versuche ich meinen maiskörner abgrabbelnden kollegen den text von hejo, spann den wagen an näherzubringen, was auch einigermassen gelingt und dabei finde ich heraus, dass es bereits eine französische version (vent frais du matin) gibt, die allerdings nichts mit der deutschen gemein hat und ohnehin kommt die originalversion aus dem england des 16. jahrhunderts: heigh-ho! anybody home, food and drink and money i have none, still i will be merry, still i will be merry, heigh-ho… das wussten sie nicht? jetzt wissen sie’s.

als wir dann am dienstag abgeschlagen wieder zuhause ankommen bin ich richtig glücklich, mit den kids so etwas schönes gemacht zu haben. die wären am liebsten noch eine woche geblieben und das ohrgekaue ist jetzt noch mehr als vorher geworden – wer weiss, wenn bald ferien sind und wir die salat-, kohl-, karotten und rote bete-setzlinge auf den beeten verteilen, dann können sie vielleicht wieder mitkommen. aber jetzt erstmal müssen wir schauen, dass wir säen, dann den kompost für die beete zur ferme und den mais auf den markt bekommen, damit die ganze chose auch endlich mal etwas abwirft.


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