also, der herr landvermesser: klein, laut und gestenreich. im mit plastikrasen ausgelegten büro sitzt er im polohemd, alo-zweig* schief aus dem mundwinkel hängend. ungeduldig starrt er auf sein baustellenhandy, mit dem er zum vierten mal in folge versucht, jemanden zu erreichen, und wird dabei wiederum von drei selbstporträts angestarrt, die hoch oben an den wänden hängen. hätte er sich selbst als hintergrundbild, wäre dies ein feiner mise en abyme-moment. doch ich weiss nicht, ob man sich auf baustellenhandys foto-hintergründe einstellt. er kaut und spricht auf ewe mit meinen compagnons. im verzug sind sie mit der landvermesserei und jetzt, wo wir angekündigt haben, den chef du village treffen zu wollen, damit dieser uns für 50.000 francs auf den vertrag schmiert, mit der garantie, dass hinterher niemand kommt und uns unseren besitz streitig macht, aus welchem grund auch immer, wird uns mitgeteilt, dass dieser im urlaub sei. im urlaub. wie lange? zwei wochen. und überdies sei die angefragte parzelle nicht verfügbar, weil der grand frère des besitzers dort arbeite. welch zufall nur, denke ich, dass ihm das jetzt einfällt.
während wir die vergangenen tage immer wütender auf den uns hinhaltenden landvermesser wurden und ich ihm und seinem azubi meinen verdruss offenkundig mitgeteilt habe, verstehen wir nun, dass es die besitzer sind, die ein spiel mit uns treiben. der landvermesser selbst sagt, wir sollen den kauf unterlassen und uns lieber ein anderes landstück nahe kpalimé ansehen. wenn es uns nicht gefällt, gibt er uns das geld zurück.
ich fahre – inzwischen selbst – mit dem moto über die staubige kieselpiste, die sinkt und steigt wie eine berg- und talbahn. donald reicht mir einen botocoin, den ich ganz in mich hineinschlinge, seit 5:30 auf den beinen seiend, ohne gefrühstückt zu haben. wir kommen in dem dorf an und ein lang gewachsener junger mann mit schnapsfahne willigt ein, uns zum gesuchten feld zu führen. wir laufen vorbei an einem verlassenen friedhof und vemüllten hängen bis zu einem fluss, wo einige dortbewohner gerade wäsche waschen. das könnte ich auch mal wieder, denke ich, und blicke auf meine fleckige hose hinab. quer über den fluss, auf grossen felsen aufliegend, führen zwei mal drei miteinander verbundene stahlträger, vielleicht 15 zentimeter breit, konkav gewölbt, sodass man mit dem moto darüber fahren kann, wie man mir nüchtern erklärt. natürlich, sage ich und lache erfrischt in die morgenluft.
das feld ist eigentlich ganz schön, aber in der regenzeit wird der fluss grossteile überfluten und der höher gelegene teil ist recht bewaldet, sodass man eine ganze weile entwurzeln müsste. darüber hinaus würde die motorpumpe zu viel wasserdruck einbüssen, verliefen die rohre den hügel hinauf. also nein und wieder zurück.
nächstentags dann wieder beim landvermesser, der uns beteuert, er würde alles tun, damit wir bald ein gutes land finden und anfangen können. kurz verschwindet er und legt dann fast beiläufig ein geldbündel auf den tisch, ich solle nachzählen. es ist alles da. den alten vertrag zerreisst er. nach mehreren tagen in denen ich befürchtete, dass wir von ihm oder den besitzern – oder beiden – über den tisch gezogen werden, fühlt sich das ein wenig unwirklich an. wir sind sehr erleichtert, nun, da wir wissen, dass er es gut mit uns meint, der landvermesser.
was ich sonst getan hätte? keine ahnung. ich hätte mich furchtbar aufgeregt und alles versucht, um druck auszuüben, die botschaft angerufen, meinem mentor bescheid gesagt. aber am ende habe ich doch keine ahnung, wie es hier läuft und ob das funktioniert hätte. ich weiss nur, dass die leute ständig sagen, man muss aufpassen mit landkäufen und solle unbedingt auf einer unterschrift des chef du village bestehen. die art, wie uns tröpfchenweise und am tag (!) der finalen vertragsunterzeichnung entscheidende informationen gegeben wurden, spricht dafür, dass die besitzer des von uns fast erworbenen hektars uns irgendwie reinreiten wollten.
puh! jetzt sind wir jedenfalls wieder an einem neuen feld dran und ein neffe fragt seinen onkel, ob unser preisvorschlag in ordnung geht. bleiben wir gespannt. so schnell und ohne jegliche rückversicherung rücke ich zumindest keine kohle mehr heraus.
* alo oder atidoudou wird der baum genannt, mit dessen zweigen sich hier einige leute die zähne putzen. sie kauen ihn, bis er an den enden ausgefranst und borstig ist.


Hinterlasse eine Antwort zu Myriade Antwort abbrechen