guter oder böser landvermesser?

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3–4 Minuten

also, der herr landvermesser: klein, laut und gestenreich. im mit plastikrasen ausgelegten büro sitzt er im polohemd, alo-zweig* schief aus dem mundwinkel hängend. ungeduldig starrt er auf sein baustellenhandy, mit dem er zum vierten mal in folge versucht, jemanden zu erreichen, und wird dabei wiederum von drei selbstporträts angestarrt, die hoch oben an den wänden hängen. hätte er sich selbst als hintergrundbild, wäre dies ein feiner mise en abyme-moment. doch ich weiss nicht, ob man sich auf baustellenhandys foto-hintergründe einstellt. er kaut und spricht auf ewe mit meinen compagnons. im verzug sind sie mit der landvermesserei und jetzt, wo wir angekündigt haben, den chef du village treffen zu wollen, damit dieser uns für 50.000 francs auf den vertrag schmiert, mit der garantie, dass hinterher niemand kommt und uns unseren besitz streitig macht, aus welchem grund auch immer, wird uns mitgeteilt, dass dieser im urlaub sei. im urlaub. wie lange? zwei wochen. und überdies sei die angefragte parzelle nicht verfügbar, weil der grand frère des besitzers dort arbeite. welch zufall nur, denke ich, dass ihm das jetzt einfällt.

während wir die vergangenen tage immer wütender auf den uns hinhaltenden landvermesser wurden und ich ihm und seinem azubi meinen verdruss offenkundig mitgeteilt habe, verstehen wir nun, dass es die besitzer sind, die ein spiel mit uns treiben. der landvermesser selbst sagt, wir sollen den kauf unterlassen und uns lieber ein anderes landstück nahe kpalimé ansehen. wenn es uns nicht gefällt, gibt er uns das geld zurück.

ich fahre – inzwischen selbst – mit dem moto über die staubige kieselpiste, die sinkt und steigt wie eine berg- und talbahn. donald reicht mir einen botocoin, den ich ganz in mich hineinschlinge, seit 5:30 auf den beinen seiend, ohne gefrühstückt zu haben. wir kommen in dem dorf an und ein lang gewachsener junger mann mit schnapsfahne willigt ein, uns zum gesuchten feld zu führen. wir laufen vorbei an einem verlassenen friedhof und vemüllten hängen bis zu einem fluss, wo einige dortbewohner gerade wäsche waschen. das könnte ich auch mal wieder, denke ich, und blicke auf meine fleckige hose hinab. quer über den fluss, auf grossen felsen aufliegend, führen zwei mal drei miteinander verbundene stahlträger, vielleicht 15 zentimeter breit, konkav gewölbt, sodass man mit dem moto darüber fahren kann, wie man mir nüchtern erklärt. natürlich, sage ich und lache erfrischt in die morgenluft.

das feld ist eigentlich ganz schön, aber in der regenzeit wird der fluss grossteile überfluten und der höher gelegene teil ist recht bewaldet, sodass man eine ganze weile entwurzeln müsste. darüber hinaus würde die motorpumpe zu viel wasserdruck einbüssen, verliefen die rohre den hügel hinauf. also nein und wieder zurück.

nächstentags dann wieder beim landvermesser, der uns beteuert, er würde alles tun, damit wir bald ein gutes land finden und anfangen können. kurz verschwindet er und legt dann fast beiläufig ein geldbündel auf den tisch, ich solle nachzählen. es ist alles da. den alten vertrag zerreisst er. nach mehreren tagen in denen ich befürchtete, dass wir von ihm oder den besitzern – oder beiden – über den tisch gezogen werden, fühlt sich das ein wenig unwirklich an. wir sind sehr erleichtert, nun, da wir wissen, dass er es gut mit uns meint, der landvermesser.

was ich sonst getan hätte? keine ahnung. ich hätte mich furchtbar aufgeregt und alles versucht, um druck auszuüben, die botschaft angerufen, meinem mentor bescheid gesagt. aber am ende habe ich doch keine ahnung, wie es hier läuft und ob das funktioniert hätte. ich weiss nur, dass die leute ständig sagen, man muss aufpassen mit landkäufen und solle unbedingt auf einer unterschrift des chef du village bestehen. die art, wie uns tröpfchenweise und am tag (!) der finalen vertragsunterzeichnung entscheidende informationen gegeben wurden, spricht dafür, dass die besitzer des von uns fast erworbenen hektars uns irgendwie reinreiten wollten.

puh! jetzt sind wir jedenfalls wieder an einem neuen feld dran und ein neffe fragt seinen onkel, ob unser preisvorschlag in ordnung geht. bleiben wir gespannt. so schnell und ohne jegliche rückversicherung rücke ich zumindest keine kohle mehr heraus.

* alo oder atidoudou wird der baum genannt, mit dessen zweigen sich hier einige leute die zähne putzen. sie kauen ihn, bis er an den enden ausgefranst und borstig ist.

12 Antworten zu „guter oder böser landvermesser?“

  1. Avatar von Myriade

    Puh, da lernst du gerade die lokalen Gepflogenheiten kennen. Zum Glück gab es den Landvermesser. Vielleicht tue ich allen Unrecht, aber das klingt schon sehr nach Touristen-Melken bzw Weißen-Melken …..

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    1. Avatar von lecrayonvert

      ja das ist nochmal gut gegangen. nee, das beschränkt sich nicht auf weisse oder gar touris. abgesehen davon, dass ich es verständlich finde, dass menschen hier versuchen, mich zu melken (ist in meiner verantwortung, mich dagegen zu wehren oder auch nicht) kaufen touris ja selten land. anscheinend passiert es hier regelmässig, dass menschen bei landkäufen abgezockt werden, wenn sie die sicherheitsmassnahmen nicht ergreifen (identifizierung und zustimmung ALLER teilhaber, unterschrift vom chef du village, eintragung im rathaus).

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      1. Avatar von Myriade

        Das muss man eben wissen. Dein compagnon war aber offenbar auch ahnungslos. Ist das Amt des chef du village erblich oder wird er gewählt?

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      2. Avatar von lecrayonvert

        jep… ja, es geht. wir haben ja glücklicherweise noch rechtzeitig die richtigen fragen gestellt und dann abgelehnt. dem landvermesser haben wir zu vorschnell vertraut, da haben wir glück gehabt, dass das ein guter ist. man lernt eben dazu …
        zur legitimation des chef du village: ich glaube eigentlich wird er gewählt und nicht vererbt… aber da selbst die staatspräsidentschaft vererbt wurde, würde ich dafür keine hand ins feuer legen.

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      3. Avatar von Myriade

        Glück haben ist ein wesentlicher Bestandteil gelungener Aktionen im Leben finde ich 😉

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      4. Avatar von lecrayonvert

        ja 😅 ich denke auch

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      5. Avatar von Christian Bolz
        Christian Bolz

        Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.

        Wilhelm Busch
        Deutscher Dichter, Zeichner und Maler
        1832 – 1908
        https://zitate.net/vertrauen-zitate

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      6. Avatar von lecrayonvert

        das ist ja cool! im letzten vers fehlen 2 silben, sodass man tatsächlich vom jähen ende erschrickt, das passenderweise vom wort schrecken markiert wird. so wacht man erschrocken auf aus der einlullenden metrik.

        und ja! abgesehen davon stimmt das natürlich…

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      7. Avatar von Nico
        Nico

        hoffe mal ihr habt bald erfolg mit der suche! Habt ihr Zeitdruck?

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      8. Avatar von lecrayonvert

        danke! ich nicht, donald schon eher, da er während der besichtigungen und besprechungen zeit und geld verliert. deshalb wäre es gut, wenn das projekt so bald wie möglich etwas abwirft. aber wir bleiben zuversichtlich und machen das schon, da bin ich sicher!

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      9. Avatar von Nico
        Nico

        achso, fallen da jedes mal dann Gebühren, Handgelder etc. ab für das Ganze?

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      10. Avatar von lecrayonvert

        ne aber sprit bzw. transportkosten. und er arbeitet ja nicht, so lange er weg ist, verdient also nichts währenddessen

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